“Good morning teacher”

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“Un jetzat e bissl in minna eigene G’heimsproch (s’wird denk ich weder schw├Ąbisch noch badenisch werre – denn ich kann ja beides nit) ­čÖé ­čÖé ­čÖé
Die zwei Litt, die des Center organisiered un der Ma, der mich abgeholt h├Ątt blicked st├Ąndig uf min Tablet und wissed inzwischen des ich a blog hab un sin nat├╝rlich neugierig. Sie lesend mit und versuchet im Netz zu ├╝berxsetze was ich hier schrieb.
Ich werd einfach hin und wieder mol a falscher buchxstab (xyz) mit i’baue wenn ich net will dass sie es verstehyn un Google dann a bissl verr├╝ckt spielt. hihi
Sie verxplanen mich f├╝r viel zu viel Ystunden – es macht mir ja Spa├č, aber sie wissen glaube ich garnicht, dass ich nur ydrei bis vier arbeiten m├╝sste (anstatt manchmol sechs) – und nur funf und kei sechs Txage pro Woch’ – will aba abwarte wie’s wittergeht und dann zum richtige Zittpunkt ebbs sagen”

Die Kinder sind fazinierent und oft einfach zum “Klauen”!

Die kleine Schule (Usha und ihr Mann Sunil leiten sie) und das Computer Center sind zweierlei Dinge und beides privat. Die Eltern zasagedaf├╝r. Viele Lehrer an den staatlichen Schulen sind wohl nicht besonders motiviert – ein Grund daf├╝r k├Ânnte sein, dass sie “unk├╝ndbar” sind. Also ist es im Prinzip egal ob sie unterrichten oder nicht und viele scheinen sich, wenn sie es einmal geschafft haben “Goverment-Teacher” zu werden, einen sch├Ânen Lenz zu machen.
Die Lehrer an den privaten Schulen verdienen viel weniger, aber die Kinder lernen an diesen Schulen wohl mehr.
F├╝r das Computer Center m├╝ssen sie ca. 9 Euro im Monat bezahlen.

Die ersten zwei Tage habe ich mich in die Klassen gesetzt in denen Chia unterrichtet hat. Ich kam mir ein wenig verloren vor – denn ich wu├čte garnicht so recht was ich machen sollte. Chia hat die Kinder begeistert, die kamen aus dem Staunen garnicht mehr raus. Mit ihrer tollen Art, mit Highfive, Kinder an die Tafel schreiben lassen, kleinen Spielen hat sie den Alltag der Kinder so unterbrochen, dass sie sie garnicht mehr aus dem Klassenzimmer gehen lassen wollten.

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Es sind 10 Jahrgangsstufen und 10 Klassenzimmer. Die Minis im “Kindergarden” und dann zwischen 5 bis 15 Jahre.
Erika, Chia und ich sind die ersten offiziellen Volont├Ąre hier. Man hat irgendwie noch gar keinen Plan was wir hier genau machen sollen – alles ist etwas chaotisch. Ich stand inzwischen auch schon, wie Chia vor den Klassen und hab gefragt: Was soll ich denn unterrichten? Als Antwort kommt meistens: “teach”.

Freitag habe ich dann im Computer Center angefangen Excel zu unterrichten. Die 4 jungen Frauen sprechen sehr schlecht English und k├Ânnen mich kaum verstehen, aber da wir nach kurzer Zeit einen verstaubten Beamer zum Laufen bekommen haben – kann ich die Sachen ja “praktisch” zeigen Es ist eine Geduldsprobe – denn sie beantworten meine Frage ob sie etwas verstanden haben oder nicht meistens mit einem Nicken. Es macht mir aber sehr viel Spa├č!

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Unter den Lehrern gab/gibt (so genau wei├č ich es nicht) ein paar Unystimmigkeiten bez├╝glich meiner Aufgaben.
Eine meinte ich m├╝sste all meine Stunden in der Schule und gar nicht im Computer Center unterrichten. Das hat mich doch etwas verwirrt – denn das war ja eigentlich mein Beweggrund hier her zu kommen.
Ich habe also zwei Tage alle Jahrgangstufen unterrichtet.

 

Chia und ich haben mit den Lehrern inzwischen dar├╝ber diskutiert – wieviel Sinn es denn macht – Kinder, die kaum Englisch verstehen in Computer-Theorie zu unterrichten.
Ich bin der Meinung, dass das die Lehrer hier viel besser und effektiver in Hindi k├Ânnen. Die Sch├╝ler freuen sich zwar total wenn ich in die Klasse komme und sie k├Ânnen RAM, ROM, CPU buchstabieren, aber bei diesen Kinder kann ich nichts “bewegen” weil sie ├╝berhaupt nicht verstehen was ich sage.
Ich habe die Computer Theory inzwischen an den Nagel geh├Ąngt und erz├Ąhle ├╝ber Deutschland, zeige Euros, male auf wo ich wohne. In der Klasse mit den kleinsten habe ich eine ganze Stunde mit einer Abstimmung dar├╝ber verbracht ob ich den nun Englisch oder Computer unterrichten soll und dann versucht das Ergebnis “addieren” zu lassen. hihi
8 + 7 = 87 ­čÖé aber wir haben das richtige Ergebnis miteinander erarbeitet indem ich zu den 8 immer wieder einen dazugesetzt habe und wir jedesmal zusammen sch├Ân laut “nachgez├Ąhlt” haben.

Die ├Ąlteren sind eher an Traditionen oder meinem Tablet mit der Bluethout-Tastatur interessiert. Ich habe ├╝ber unser Duales (Lern) System, Ausbildungen, Gleitzeit, Plastik-Flaschen-Recycling gesprochen und nat├╝rlich Schwarzwald-M├Ądels mit roten Bollenh├╝ten gezeigt (ich hoffe sehr, dass sie verstanden haben, dass nicht alle Deutschen diese H├╝te st├Ąndig tragen).
Jetzt habe ich noch mein Kindle-Ebook, einen Reisesteckeradapter und meine Lumix-Karmera und ber├╝hmte deutsche Marken in “Petto” (schreibt man das so?) aber dann gehen mir die Themen aus.

Was alle immer und immer wieder wollen ist Bilder ansehen und Bilder machen – damit k├Ânnte/n ich/sie den ganzen Tag verbringen.

Sie sind f├╝r alles dankbar. Sie sitzen teilweise zu dritt ganz eng zusammen auf diesen kleinen Holzb├Ąnken, haben wenn ├╝berhaupt nur einen Stift und zerfledderte Hefte. Die zwei Tage, die ich Chia zusehen konnte haben mir sehr geholfen und ich hab mir davon etwas “abgeguckt”. Ich vesuche ein wenig Hindi zu sprechen und dann strahlen alle ├╝ber beide Ohren. Ich lache und lobe viel.

Oft stehen andere Lehrer vor dem Klassenzimmer und beobachten mich. Manchmal ist ein Lehrer mit in der Klasse der ├╝bersetzt. Ich habe jetzt schon dreimal erlebt, das ein Kind bestraft wurde. Eins hat etwas was ich an die Tafel geschrieben habe falsch abgeschrieben und zwei hatten das Buch nicht dabei aus dem wir gelesen haben. Eine Ohrfeige und 2 Schl├Ąge auf die Arme mit einem Stock. Ich wei├č ehrlich gesagt nicht wie ich damit umgehen soll.
Ich wei├č, dass ich vor der Klasse nichts dazu sagen kann. Es ist eine andere Kultur – ja – aber ich werde den Lehrer bitten, sowas – solange ich die Klasse unterrichte zu unterlassen. Mal sehen wie er reagiert – aber ich kann da nicht tatenlos zusehen.

Die Kinder hier sind “anders”. Ich wusste garnicht wie mir geschieht, als mir auf der Stra├če ein Sch├╝ler begegnete, sich verbeugte, mit der Hand eine Ber├╝hrung meiner F├╝├če andeutete und die Hand dann zum Herz f├╝hrte. So erweisen sie mir Respekt ­čśë Ich hab noch nicht raus bekommen in welchen Situationen sie es tun – aber es passiert echt oft – auch bei Teenagern die mir gerade irgendwo vorgestellt werden – oder auch Kinder, die ich gar nicht kenne.

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Zum Abschied von Chia haben zwei Klassen T├Ąnze aufgef├╝hrt. Wir mussten lange warten weil der Strom mal wieder ausgefallen war und es deshalb keine Musik gab. Ich war kurz vorm Hitzekoller als es losging. Sie hatten ein Klassenzimmer leerger├Ąumt. In dem engen Raum mit dem Wellbechdach, den Wellbechw├Ąnden war es hei├č wie in einer Sauna – jetzt ist Regenzeit! ohje wie hei├č ist es im Sommer nur da drin.

Chia ist inzwischen abgereist und hat eine gro├če L├╝cke hinterlassen. Bei den Kindern, bei dieser lieben Familie hier und auch bei mir. Ich habe sie in dieser kurzen Zeit richtig lieb gewonnen und ich vermisse sie.
Wir haben ├╝ber Whats app (wenn m├Âglich) Kontakt und sie will mir bald noch ein paar Ideen f├╝r Unterrichtsthemen, Spiele und vielleicht englische Kinderlieder schicken. Ich kenne ja nicht mal deutsche Kinderlieder!
Ich habe hier schon gesungen und wer mich kennt wei├č, dass ich schrecklich falsch singe, aber wenn ich hier anfange werden schlagartig alle mucksm├Ąuschen still und h├Âren ganz gebannt zu. Das ich “Alle meine V├Âgel sind schon da” mit “Morgen kommt der Weihnachtsmann” vermische – f├Ąllt genauso wenig auf wie ein Lied, an das ich mich errinnere, dass aber franz├Âsch und nicht deutsch ist.

Falls Ihr Ideen habt!? Bitte her damit. Einfache Kinderspiele? Einfach englische Songs bei denen die Kinder ein paar neue W├Ârter lernen und dazu Bewegungen machen m├╝ssen??? Ich bin f├╝r jede Unterst├╝tzung dankbar.

Die letzten Tage unterrichte ich jetzt von 9-11 im Computer-Center und dann noch bis 13:10 ┬áin der Schule. Abends ist eine “angehende” Webdesignerin im Center, die sich freut wenn ich da bin und der ich schon gute Tipps geben konnte. Ein weiterer Webdesigner hat meine Hilfe abgelehnt – ich muss sagen: Pech f├╝r ihn! Ein Blick auf seinem Code reichte um zu sehen, dass er keine Ahnung hat und bald verzweifeln wird!

… aber zu den “Webdesignern” sp├Ąter mal mehr